Kreiswahlprogramm 2020

MEGATHEMA PFLEGE

Um die wachsende Zahl pflegebedürftiger Menschen im Landkreis angemessen versorgen zu können werden wir uns des Themas besonders annehmen. Zur Vermeidung von Lücken fordern wir eine eigene Bedarfsplanung. Das gilt sowohl für eine ausreichende Zahl an stationären Pflegeplätzen als auch für ausreichende ambulante Angebote (ambulante Pflegedienste, Kurzzeit- und Tagespflege) als auch besonders für Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige, die nach wie vor den Hauptanteil der Pflege zu Hause leisten. Um besser auf die individuellen Bedürfnisse der Pflegebedürftigen eingehen zu können, brauchen wir im Landkreis einen Mix aus möglichst vielen Bausteinen und unterschiedlichen Projekten.

Wir werden uns konkret dafür einsetzen, dass 1. ein „Pflegestützpunkt“ im Landkreis eingerichtet wird, der als Anlaufstelle für Familien alle Fragen rund um die Pflegebedürftigkeit beantwortet und effiziente Hilfestellung gibt. 2. im Landratsamt eine Pflegeberatungsstelle inklusive Rechtsberatung geschaffen wird 3. die Zahl der Kurzzeit- und Tagespflegeplätze im Landkreis bedarfsgerecht ausgebaut wird 4. sogenannte „präventive Hausbesuche“ wie in anderen Kommunen implementiert und finanziert werden, um Vereinsamung und Pflegebedürftigkeit zu verhindern. Gemeinwohl statt Gier. Projekt Zukunft FFB. 5. alle Möglichkeiten der digital-technischen Unterstützung (Sturzmatten, automatische Beleuchtung, Ausschaltautomatik Herd.) zur Erleichterung den Pflegebedürftigen und Pflegenden zugänglich sind. 6. eine Musterwohnung mit Pflegehilfsmitteln, technischen Möglichkeiten der Hilfe und ergänzender Beratung eingerichtet wird. 7. ein Kompass für pflegende Angehörige im LKR FFB (leicht auffindbar auf der Website des Landratsamtes und in Papierform zur Verteilung u.a. auch in Apotheken und Arztpraxen) erstellt wird, in Ergänzung zum bestehenden digitalen Gesundheits- und Sozialwegweiser und um Erweiterung von konkreten Informationen. 8. pflegende Angehörige durch geschulte Pflegebegleiter unterstützt werden 9. Hilfestrukturen im Vorfeld einer Pflegesituation erweitert werden. Dies betrifft u.a. die Bereiche Haushaltsführung, Mobilität und Alltagshandeln 10. die zugehende Beratung im Wohnumfeld intensiviert wird

Wir wollen, dass auch einkommensschwache Bürger an Angeboten teilhaben können

Grundsätzlich wollen wir, dass der ÖPNV bis 18 kostenfrei wird und das € 365-Ticket für das Gesamtnetz eingeführt wird.
Für das neue aktuelle MVV-Angebot Sozialticket ist die Einführung eines Landkreis-Passes nötig. Die Nutzung des Passes soll erweitert werden um vergünstigte Angebote von Landkreiseinrichtungen. Außerdem soll bei Kommunen und anderen Anbietern geworben werden, dass diese auch Angebote für Landkreiskarteninhaber bereitstellen. Das Sozialticket IsarCard S als Monatskarte soll um verbilligte Tagestickets ergänzt werden.
Damit mehr Bildungs- und Teilhabeleistungen aus dem Bildungspaket abgerufen werden, soll die Einführung einer elektronischen Bildungskarte verfolgt werden. Die auf unseren Antrag gewährte freiwillige Leistung des Landkreises bei Empfängern von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit soll beibehalten werden, damit dieser Personenkreis weiterhin die zusätzliche, dringend notwendige finanzielle Unterstützung erhält.

Wir wollen, dass Inklusion als gesamtgesellschaftliche Verpflichtung und Aufgabe gesehen wird.

Der Landkreis ist dafür verantwortlich, dass der erarbeitete Kommunale Aktions- und Teilhabeplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention umgesetzt und fortgeschrieben wird. Deshalb kommt der Stelle des Inklusionsbeauftragten als Motor des Prozesses eine bedeutsame Funktion zu und wir hoffen, dass durch eine stabile Personalbesetzung dieser nun nachhaltig in Gang gesetzt werden kann.

Inklusion als selbstbestimmte Teilhabemöglichkeit muss bei allen politischen Entscheidungen mitgedacht werden. Dies betrifft nicht nur den zwingend erforderlichen öffentlichen barrierefreien Raum, sondern sämtliche Lebensbereiche. Die Fragestellung lautet daher: Schließen wir mit unserem Handeln, mit unseren Entscheidungen Menschen aus und wie können wir das vermeiden bzw. was kann verändert werden, damit Menschen dabei sein können, mitmachen können, mitgestalten können?

Wir wollen, dass die Lebensbedingungen Männern und Frauen gleichwertige Wahlmöglichkeiten eröffnen.

Wir sehen die Stelle der Gleichstellung im Landratsamt als einen wichtigen Faktor für die Gleichstellung im Landkreis an. Die Ausstattung der Kommunen mit Gleichstellungsstellen ist sehr unterschiedlich, so dass hier dem Landkreis eine besondere Rolle zukommt.
In der Stundenerweiterung der Gleichstellungsstelle wurde dieser Tatsache nur teilweise Rechnung getragen. Wir setzen uns weiterhin für die notwendige Vollzeitstelle ein.
Durch die weiterhin verlässliche Unterstützung des Frauenhauses und der Interventionsstelle für Opfer häuslicher Gewalt, soll unbürokratisch Hilfe erfolgen und die Solidarität des Landkreises zum Ausdruck kommen Der landkreiseigene Verhütungsmittelfonds soll beibehalten und bei Bedarf finanziell aufgestockt werden.

Besonderen Handlungsbedarf sehen wir im sozialen Bereich, in dem immer noch überwiegend Frauen tätig sind. Dies führt z.B. bei Pflegebedürftigkeit der Eltern zu erheblichen Mehrfachbelastungen. Hier müssen die Männer und die Öffentlichkeit sensibilisiert werden.
Frauen sind in der Kommunalpolitik immer noch unterrepräsentiert. Hier müssen gemeinsam Ansätze gefunden, wie Rahmenbedingen aussehen müssen, damit politisches Engagement auch für Frauen möglich ist. Wir können auf dieses Potential nicht einfach verzichten.

Wir wollen, dass Menschen, die hier im Landkreis mit einer anderen Sprache oder kulturellem Hintergrund leben willkommen, akzeptiert und bei Bedarf unterstützt werden.

Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund im Landkreis Fürstenfeldbruck nimmt zu. Wir wollen ein solidarisches, tolerantes und als Bereicherung empfundenes Zusammenleben aller Menschen, aller Kulturen.
Durch eine aktive Beteiligungsstruktur auf Landkreisebene sollen Menschen mit Migrationshintergrund aktiv ihr Lebensumfeld mitgestalten. Es soll ein Integrations- und Migrationskonzept erstellt werden, das ein regelmäßiges Monitoring beinhaltet.

Die Stelle des Integrationslotsen im Landratsamt ist für die Vernetzung der Akteure verantwortlich und gibt auftretende Fragestellungen als Scharnierfunktion an die Verantwortlichen weiter. Der im Jahr 2018 stattgefundene Fachtag zu Migration im Landkreis soll weiterhin regelmäßig unter Federführung des Integrationslotsen stattfinden.

Wir wollen darüber hinaus einen Beirat für Integrationsfragen einrichten. Für die spezielle Situation von EU-Bürgern sollen konkrete Unterstützungsmöglichkeiten geschaffen werden. Eine weitere besondere Zielgruppe sind Frauen mit Migrationshintergrund. Hier sollen auf die Lebensrealität abgestimmte Angebote entwickelt werden. Das Projekt der Kulturdolmetscher soll fortgesetzt und bei Bedarf ausgeweitet werden.

Wir fordern die Einrichtung eines Sozialausschusses im Landkreis Fürstenfeldbruck

Die bisherige Behandlung von sozialrelevanten Themen im Kreisausschuss und im Arbeitskreis Soziales, der sich zweimal im Jahr trifft, entspricht nicht unseren Vorstellungen von einer transparenten und kompetenten Sozialpolitik im Landkreis. Wir möchten durch die Einführung eines Sozialausschusses der Wichtigkeit und Bedeutung von sozialen Belangen Rechnung tragen und damit die öffentliche Wahrnehmung und Verantwortung sensibilisieren.

Wir wollen, dass unsere Kommunen in sozialen Angelegenheiten zusammenarbeiten.

Durch eine Vernetzung der für den sozialen Bereich Verantwortlichen sollen Angebote effektiver genutzt und entwickelt werden, sowie bestehende Entwicklungen besser eingeordnet und Handlungskonzepte erarbeitet werden. Aufgabenfelder sehen wir u.a. in der Unterbringung von wohnungslosen Landkreisbürgern.

Wir wollen alle Lebenswege und Biografien anerkennen und respektieren, egal wo sie herkommen und wo sie hinführen.