Kreiswahlprogramm 2020

WIRTSCHAFT UND ARBEIT

Der Landkreis Fürstenfeldbruck hätte durch seine Lage zwischen den beiden Metropolen München und Augsburg die besten Voraussetzungen, um ein breites Spektrum an unterschiedlichen Unternehmen und damit Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen anzusiedeln. Insbesondere in den sozialdemokratisch geführten Städten Puchheim und Olching, mit der großen Zahl an innovativen Mittelständlern, lässt sich erkennen, welche Potentiale vorhanden sind.

Darüber hinaus haben gesellschaftliche und technische Megatrends, wie die Digitalisierung und das wachsende Bewusstsein zu einer nachhaltigen Lebensweise, auch Auswirkungen darauf, wie Arbeitsplätze strukturiert und in welchen Bereichen Firmen gegründet werden.

Die politischen Mehrheitsfraktionen im Kreistag, aber auch der amtierende Landrat haben bisher dafür gesorgt, dass Chancen nicht genutzt und die Verwaltung des Stillstandes oberste Maxime wurde. Dies soll sich in den kommenden sechs Jahren mit einer Reihe von Maßnahmen ändern.

1. Echte Ansiedlungspolitik und gezielte Förderung

Die bisherigen Anstrengungen im Bereich Ansiedlungspolitik und Förderung von Gründerinnen und Gründern verfolgten einen viel zu breit gestreuten Ansatz, anstatt sich auf zukunftsfähige Technologiebranchen zu konzentrieren. Anstatt mit der Gießkanne und ohne Strategie Gelder zu verteilen sowie Veranstaltungen durchzuführen, braucht es gezielte Maßnahmen, um den im Vergleich zu den anderen Landkreisen in der Planungsregion 14 entstandenen Rückstand wieder aufzuholen und letztendlich eine führende Rolle einnehmen zu können.

Wir wollen eine Marke Landkreis Fürstenfeldbruck entwickeln, um den Standort bewerben zu können. Als gemeinsames Dach für alle Kommunen und somit auch einer wesentlich bessere Koordinierung der Anstrengungen zur Findung von Unternehmen, muss der Landkreis in den kommenden sechs Jahren tätig werden.

Darüber hinaus soll ein digitaler Gründer- und Freiberuflerhof aufgebaut werden. Auf dieser Plattform soll der Austausch der jungen Unternehmerinnen und Unternehmer untereinander, aber auch Schulungen oder Angebote zur Unterstützung z.B. beim Einkauf oder der Buchhaltung geben. Neben der reinen Bereitstellung der Plattform, braucht es auch Personal, dass Hilfestellungen bietet und ein aktiver Ansprechpartner ist. Zudem sollen die Wirtschaftsverbände, wie die IHK, die Kreishandwerkerschaft aber auch der Kreisbauernverband als Unterstützer gewonnen werden. Damit kann vielen jungen Unternehmen, aber auch den vielen kleineren Firmen eine große Hilfestellung gegeben werden.

2. Equal Pay, Sonntagsallianz und betriebliche Mitbestimmung stärken

Die Ausgestaltung von Arbeitsplätzen in den Betrieben vor Ort bestimmt maßgeblich die Möglichkeiten, wie sich Bürgerinnen und Bürger am gesellschaftlichen Leben beteiligen können. Um eine aktive Zivilgesellschaft zu ermöglichen, braucht es die gleiche Bezahlung von Frau und Mann, es müssen Sonn- und Feiertage frei von Arbeit gehalten werden, so dass man sich erholen aber auch engagieren kann und es ist wichtig, dass die betriebliche Mitbestimmung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer deren Interessen optimal vertreten kann.

Um seiner Vorbildrolle gerecht zu werden, muss der Landkreis deshalb nicht nur dafür sorgen, dass Frauen und Männer, die für das Landratsamt tätig sind gleich bezahlt werden, sondern auch aktiv bei den Unternehmen dafür werben. Mit Hilfe von Kampagnen und Veranstaltungen soll das gesellschaftliche Bewusstsein gestärkt werden. Aufträge sollen nur noch an Unternehmen vergeben werden dürfen, die sich an diese Grundsätze halten und tariflich gebunden sind bzw. bei entsprechender Unternehmensgröße einen Betriebsrat haben.

Der Landkreis Fürstenfeldbruck soll der Allianz für den freien Sonntag beitreten und damit ein aktives Zeichen gegen die zunehmende Vereinnahmung dieses Tages durch zusätzliche Arbeit zu setzen. Insbesondere im Einzelhandel bedeutet dies eine übermäßige Zusatzbelastungen für die in diesen Bereichen tätigen Menschen.

Bei einer großen Zahl von Firmen in unserem Landkreis gibt es Betriebsräte die sich für die zentrale Aufgabe engagieren, die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in ihrem Unternehmen zu vertreten. Um deren Engagement zu unterstützen, soll der Landkreis regelmäßige Treffen für die Betriebsräte organisieren, um einen Austausch zu ermöglichen und damit Ideen und Ansätze aus den verschiedenen Bereichen weiterzugeben. Damit kann die Arbeitsplatzqualität im Landkreis insgesamt gesteigert werden.

3. Ausbildungs- und Arbeitsplätze vor Ort bewerben und ermöglichen

Wir müssen die berufliche Ausbildung stärken. Wir brauchen dringend Nachwuchs für die üppig vorhandenen Ausbildungsplätze. Ein berufliches Ausbildungszentrum könnte unseren Unternehmen helfen, den so dringend benötigten Nachwuchs hier vor Ort selbst auszubilden.
Wir müssen allen, die wollen, eine Chance geben. Sie fordern und fördern. Arbeit genug ist da.

Das gemeinsame Angebot der Sparkasse, der Kreishandwerkerschaft und des Landkreises, nämlich der Berufsinfomarkt, war ein Schritt in die richtige Richtung, um jungen Menschen gezielt Perspektiven im Landkreis aufzuzeigen. Dieser Ansatz muss weiterverfolgt werden, um die Ausbildungs- aber auch die Arbeitsplatzsuche vor Ort zu vereinfachen.

In enger Abstimmung mit der Agentur für Arbeit soll eine einfache und kostenlose Plattform für alle Unternehmen im Landkreis aufgebaut werden. Dadurch soll die zunehmend schwierigere Suche nach Fachkräften erleichtert und den Arbeitsplatzsuchenden Perspektiven vor Ort gezeigt werden.

In Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsverbänden, der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter sollen die Bevölkerungsgruppen im Landkreis identifiziert werden, die bei der Arbeitssuche erschwerte Bedingungen haben. Darauf aufbauend, sollen gezielte Maßnahmen entwickelt werden, wie diese sich bei Betrieben vor Ort eine sichere Zukunft aufbauen können.

4. Nachhaltiges Wirtschaften im Landkreis

Gerade im Bereich der Wirtschaft gibt es zahlreiche Möglichkeiten nachhaltige Lösungen umzusetzen und somit nicht nur Ressourcen zu schonen sowie die Lebens- und Arbeitsqualität zu verbessern, sondern auch finanzielle Einsparungen zu ermöglichen. Der Landkreis muss diese Entwicklung begleiten und Veränderungen einfordern.

Die Wirtschaft vor Ort muss in einem transparenten und ernsthaften Dialog in das gesamtgesellschaftliche Projekt Klimaschutz eingebunden werden. Gemeinsam mit den Unternehmensverbänden werden so klare Maßgaben für die Einsparung von CO2 durch die Firmen festgelegt.

Das Modell der Energieeffizienznetzwerke muss endlich auch in Fürstenfeldbruck umgesetzt werden. Mit Hilfe der zu gründenden Energieagentur sollen die Unternehmen angesprochen und für diese Idee geworben werden. Das Landratsamt muss ein aktiver Teil des Netzwerkes werden. Damit können Synergien erzeugt und Möglichkeiten gefunden werden, um Energie einzusparen.

Zudem soll ein Fördertopf in Zusammenarbeit mit den Gemeinden im Landkreis aufgebaut werden, um Maßnahmen wie die Elektrifizierung der Firmenflotte oder die Beschaffung von Lastenpedelecs voranzutreiben.

Wir wollen die verschiedenen Bereiche der Wirtschaft im Landkreis gemeinsam mit den vielen Akteuren weiterentwickeln. Damit auch in Zukunft fair und gut bezahlte Arbeitsplätze vor Ort zur Verfügung stehen und die Kommunen durch Steuereinnahmen ihre Aufgaben bewältigen können.