Kreiswahlprogramm 2020

MOBILITÄT UND VERKEHRSINFRASTRUKTUR - VORRANG FÜR ÖFFENTLICHE MOBILITÄT, VERKEHRSWENDE MACHEN

Wir sagen: Schluss mit dem S-Bahn-Chaos. Wir fordern den schnellen viergleisigen Ausbau der S 4 und den 10min-Takt auf allen Linien im Landkreis. Entschlossener weiterer Ausbau des ÖPNV mit neuen Tangentialverbindungen wie etwa einer Tram oder Seilbahn von Bruck durch den Fliegerhorst nach Maisach, mit einem Ausbau von Expressbuslinien. Wir setzen uns ein für landkreisübergreifende Linien, z.B. nach Dachau, Freising und in den Landkreis München. Das Ziel sind Ringlinien. Dabei sollen einige tangentiale Verbindungen kurzfristig verwirklicht werden. Seilbahnen (z.B. von Germering nach Pasing) können kurzfristig umsetzbare Lösungen für zusätzliche Verbindungen bringen. Wir müssen den Anschluss des Landkreises an das Münchner U-Bahnnetz endlich angehen. Die durch Busse und Anrufsammeltaxis bereitgestellten 24/7-Angebote müssen - insbesondere im Westen des Landkreises - kontinuierlich verbessert und ausgebaut werden. Wir brauchen dringend eine Erhöhung der Kapazität und der Zuverlässigkeit in allen Systemen.

Wir fordern grundsätzlich: ÖPNV bis 18 kostenfrei, das 365 €-Jahresticket für alle! Gefördert vom Bund. Tarife und Tarifstruktur (keine harten Tarifsprünge zw. zwei Stationen) müssen so sein, dass die Bürger*innen die S-Bahn als attraktiv empfinden und in ihrer wohnortnächsten Station zusteigen.

Verkehrsmittel müssen barrierefrei sein. Die UN-Behindertenkonvention muss umgesetzt werden. Eine Abwägung, ob „ausreichend“ Menschen mit Einschränkung vorhanden sind, darf es nicht geben.

Wir wollen das Radwegenetz gerade in Zeiten von e-Bike entschlossen ausbauen. Wir brauchen schnellstmöglich die Realisierung des Fahrradschnellwegekonzeptes, nicht nur sternförmig nach München, sondern auch tangential. Radfahrer sollen möglichst eigene Wege oder zumindest Spuren haben. Mit intelligenten Konzepten (Ampelschaltungen je Verkehrsteilnehmer, Sichtachsen usw.) muss die Sicherheit der Radfahrer im Bereich des gemeinsamen Verkehrs mit PKW und gerade LKW erhöht werden.

Wir brauchen Mobilitätsdrehscheiben an allen Bahnhöfen. Eine umfassende digital basierte Vernetzung mit schnell auszubauenden Sharingsystemen (Auto, Bike, Lastenrad). Diese Mobilitätsstationen müssen attraktiv ausgestattet sein (Überdachung, Beleuchtung, Sitzmöglichkeiten, Barriere-freiheit, Toiletten, Kiosk). Es muss eine App entwickelt werden, in der alle Angebote der Verkehrsmittel im Landkreis verfügbar und buchbar sind. Die App muss übersichtlich, leicht bedienbar und auch barrierefrei sein. So können öffentliche und individuelle Mobilität für die Nutzer komfortabel mit einander verschmelzen.

Wir errichten eine einheitliche und leistungsfähige Infrastruktur für die Elektromobilität und ergänzend grünes Gas. Die öffentlichen Flotten werden selbstverständlich klimaneutral.

Zum Bau von Ortsumgehungsstraßen muss der Landkreis ein ganzheitliches Gesamtkonzept entwickeln, damit wir über das St. Floriansprinzip hinauskommen, nach dem jeder nur an seine Interessen denkt.

Wir wollen die überlasteten Stadt- und Gemeindezentren vom Individualverkehr entlasten. Dazu schaffen wir zusätzliche Busverbindungen in die Zentren (Taktverdichtung!). Wir denken auch nach über Parkraumbeschränkungen in den Innenstädten. Auch kommunale Tempolimits können ein Baustein sein. Wir drängen die individuelle Mobilität zurück, auch durch eine Abschmelzung der Stellplatzschlüssel.

Der Landkreis muss Mitgestalter einer koordinierten Mobilitätsperspektive sein, die bei größeren Ansiedlungsprojekten die Mobilitätsinfrastruktur von Anfang im Auge hat. Die Infrastruktur muss in Zukunft stehen, bevor die Menschen kommen. Der Verkehrssektor muss bei der CO²-Einsparung endlich liefern.

Aber: Nur wenn die öffentliche Mobilität eine zuverlässige, bequeme und bezahlbare Alternative zur individuellen Mobilität wird, können wir die Menschen zu einem freiwilligen und damit nachhaltigen Umstieg bewegen!